Trinknahrung bei Mangelernährung
Ist eine ausreichende natürliche Nahrungsaufnahme nicht mehr möglich, kann eine Unterstützung durch künstliche Ernährung sinnvoll sein. Man unterscheidet hierbei zwischen oraler Nahrungssupplementation (ONS), enteraler und parenteraler Ernährung.
Orale Nahrungssupplemente (ONS) sind industriell hergestellte, sogenannte orale bilanzierte Diäten (OBD) mit einer definierten Nährstoffzusammensetzung und können voll- oder teilbilanziert sein. Vollbilanzierte Diäten sind aufgrund ihrer Zusammensetzung und empfohlenen Tageszufuhrmenge als alleinige Nahrungsquelle geeignet.
OBD dienen dem Diätmanagement bei Risiko für eine Mangelernährung oder bei bereits bestehender Mangelernährung. Viele wissenschaftliche Studien belegen zudem positive Effekte auf zugrundeliegende Erkrankungen sowie die Verbesserung der Lebensqualität. In der aktuellen wissenschaftlichen Literatur liegen mehr als 200 klinische Studien und 14 Metaanalysen vor, die den therapeutischen Nutzen von oraler Trink- und Zusatznahrung belegen. So konnte gezeigt werden, dass die zusätzliche Gabe von Trinknahrung bei Patient:innen mit Mangelernährung sowohl die Komplikationsrate als auch die Letalität der Patient:innen signifikant senkt.3,5
Damit individuelle Nährstoffbedürfnisse und Krankheitsbilder der Patient:innen berücksichtigt werden können, wurden vielfältige Nährstoffzusammensetzung entwickelt. So gibt es medizinische Trinknahrung mit unterschiedlichen Kaloriendichten (normo- und hochkalorische), unterschiedlichem Fett- und Eiweißgehalt sowie mit und ohne Ballaststoffe. Um auch den individuellen Bedürfnissen der Patient:innen gerecht zu werden, ist es außerdem wichtig, dass für den Einsatz von bilanzierten Diäten eine breite Palette an Geschmacksrichtungen und unterschiedlichen Konsistenzen zur Verfügung steht.
Außerdem kann Trinknahrung bei Mangelernährung und entsprechender medizinischer Indikation ärztlich verordnet werden und ist durch die gesetzlichen Krankenkassen erstattungsfähig.
Die enterale Ernährung über Sonden
Können oder wollen Patient:innen nicht ausreichend Essen, kann es zielführend sein auf Sondenernährung umzustellen. Dies kann in Hinblick auf Mangelernährung eine geeignete Maßnahme darstellen und die Lebensqualität verbessern. Voraussetzung dafür ist ein funktionierender Gastrointestinaltrakt. Die Nahrungsaufnahme bei enteraler Ernährung erfolgt über eine Sonde direkt über den Magen-Darm-Trakt und unter Umgehung des Mund- und Rachenraumes. Erforderlich kann dies bei onkologischen, neurologischen oder geriatrischen Erkrankungen sein, bei denen es zu Entzündungen, Schluckstörungen und Appetitlosigkeit kommen kann.
Wie für die Trinknahrung gibt es auch für Sondennahrung eine große Auswahl an Produkten mit Unterschieden im Kalorien-, Protein-, Fett- und Ballaststoffgehalt. So kann auch hier je nach vorliegender Stoffwechselsituation und Erkrankung aber auch nach individuellen Vorlieben, die geeignete Sondennahrung ausgewählt werden.
Die enterale Ernährung weist gegenüber der parenteralen einige Vorteile auf.
Die Anwendung ist kostengünstig und unkompliziert.
Sie kann auch von Angehörigen als pflegerische Maßnahme bei Mangelernährung oder den Patient:innen selbst übernommen werden - dadurch steigt die Akzeptanz.
Eine enterale Ernährung beinhaltet geringere Komplikationsraten und die Struktur und Funktion des Verdauungssystems werden aufrechterhalten.
Die parenterale Ernährung
Muss nicht nur der Mund- und Rachenraum, sondern der gesamte Magen-Darm-Trakt zur Nahrungsaufnahme umgangen werden, wird auf parenterale Ernährung zurückgegriffen, bei der Makro- und Mikronährstoffe intravenös verabreicht werden. Diese Ernährungsform wird eingesetzt, wenn eine eigenständige Nahrungsaufnahme und/oder Verwertung der Nahrung nicht möglich ist oder der Verdauungstrakt geschont werden muss. Das kann unter anderem bei Stoffwechselstörungen, schweren Verletzungen oder Tumorerkrankungen der Fall sein. Die Berechnung des Energiebedarfs erfolgt unter Berücksichtigung des aktuellen Gewichtes und der aktuellen Laborwerte. Auch eine sonstige orale oder enterale Ernährungszufuhr und eventuelle Verluste durch Erbrechen oder über Stomata werden einberechnet. Um eine Mangelernährung zu behandeln oder im besten Falle vorzubeugen können Maßnahmen bei Mangelernährung in Abhängigkeit von Ursache und Schwere der Unterernährung auch kombiniert erfolgen. Denn eine parenterale Ernährung schließt andere Ernährungsformen nicht aus. Eine Kombination kann sogar Komplikationen verringern und die Lebensqualität erhöhen.