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Mangelernährung - Anzeichen

Mangelernährung – Test: Screening auf Mangelernährung

Für eine adäquate Untersuchung aller Patienten und um das Risiko einer Mangelernährung mittels Test zu erheben, bedarf es einer prozesshaften und standardisierten Vorgehensweise, die Folgendes umfasst:

  • Screening auf Mangelernährung

  • ggf. ein auf dem Screening basierendes Assessment

  • Durchführung individueller Maßnahmen

  • Monitoring zur Überprüfung der Wirksamkeit

Unter einem Screening auf Mangelernährung versteht man eine Reihenuntersuchung, die mittels schneller und einfacher Methodik bei allen Personen zum Zeitpunkt des Arztbesuches oder der Krankenhausaufnahme durchgeführt werden kann. Dadurch sollen Patienten mit einem ernährungsbedingten Risiko oder bereits vorliegender Mangelernährung identifiziert und frühzeitig einer gezielten Maßnahme zugeführt werden.

Sollte sich bei dem Screening ein Risiko oder bereits ein Anzeichen einer Mangelernährung ergeben, müssen weitere Untersuchungen folgen. Das tiefergehende Assessment ist die umfassende Analyse von Ernährungsproblemen. Das Ergebnis des Assessments dient als Grundlage für die Durchführung jeder Ernährungsintervention und damit zur Entwicklung eines detaillierten Ernährungsplans.

Resource - Mangelernährung Test

Somit ist es das Ziel eines Screenings, Risiken zu erkennen, jedoch braucht es zur Maßnahmenplanung bei Vorliegen eines Risikos eine differenziertere Einschätzung, das Assessment.

Die Häufigkeit, mit der Screenings durchzuführen sind, ist individuell festzulegen und kann in Abhängigkeit vom Zustand des Patienten variieren. Bei Risiken oder einer Mangelernährung wird im Expertenstandard empfohlen, das Screening regelmäßig durchzuführen. In der folgenden Abbildung wird der Algorithmus zur Qualitätssicherung der Ernährungsversorgung älterer Menschen dargestellt.6,7

Resource®

Abbildung 1: Algorithmus zur Qualitätssicherung der Ernährungsversorgung älterer Menschen (modifiziert nach Volkert D. Practical guideline for nutritional care in geriatric institutions. Z Gerontol Geriatr 2009; 42: 77-87)

Screening auf Mangelernährung: Screening-Tools

In den letzten 30 Jahren wurden zahlreiche Screening Tools für die Diagnostik einer Mangelernährung bzw. des ernährungsbedingten Risikos entwickelt. Doch wann sollen welche Fragebögen für das Screening des Ernährungszustandes benutzt werden? Es stehen verschiedene Bögen für Krankenhäuser, den ambulanten Bereich oder speziell für geriatrische Patienten zur Verfügung. Hiermit können nicht nur bestehende Mangelernährungszustände erkannt, sondern auch gefährdete Personen frühzeitig identifiziert werden.

Folgende Instrumente werden nach den Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Klinische Ernährung und Stoffwechsel (ESPEN) für das Screening empfohlen:8

  • Mini Nutritional Assessment (MNA®)

  • Malnutrition Universal Screening Tool (MUST)

  • Nutritional Risk Screening (NRS-2002)

Das MNA-SF (short-form) Screening ist ein einfacher Screening-Bogen für geriatrische Patienten. Er kann in der häuslichen Pflege genauso angewendet werden, wie im Krankenhaus oder Pflegeheim. Es ist das einzige für ältere Menschen entwickelte und validierte Screeninginstrument. Dieses berücksichtigt neben den üblichen Standard-Screeningparametern (BMI, Gewichtsverlust, reduzierte Essmenge, akute Krankheit) zwei wichtige Risikofaktoren für Mangelernährung bei älteren Menschen: Immobilität und psychische Probleme.6 Das MUST-Screening wurde ursprünglich von der ESPEN für ambulante Patienten mit Verdacht auf Mangelernährung empfohlen, wird jedoch mittlerweile auch wie das NRS (Nutritional Risk Screening) und das SGA im stationären Bereich eingesetzt.

Zusätzlich ist das SGA (Subjective Global Assessment) eine einfache, reproduzierbare bed-side Methode zur Einschätzung des Ernährungszustandes bei ambulanten oder stationären Patienten. Es lässt sich ohne apparativen Aufwand oder medizinisches Personal durchführen. Auf Grundlage von Anamnese (Gewichtsveränderung, Nahrungszufuhr, gastrointestinale Symptome, Leistungsfähigkeit, Grunderkrankung) und klinischer Untersuchung (Unterhautfettgewebe, Muskelmasse, Ödeme) schätzt der Untersucher den Ernährungszustand des Patienten ein.

Screening und Assessment: Übersicht empfohlener Instrumente5,8

  • Screening

    • Mini Nutritional Assessment (MNA short-form)

    • Einsatz: Klinik/ ambulant (Geriatrie)

      • ESPEN- Empfehlung

      • Kurzform als Screening („Vor-Anamnese“) mit 6 Fragen

      • einziges für ältere Menschen validiertes Screening

    • Malnutrition Universal Screening Tool (MUST)

    • Einsatz: ambulant/ Klinik, Heim- Senioreneinrichtungen

      • ESPEN- Empfehlung

      • Aufbau aus 3 Fragen

      • gibt Handlungsempfehlungen

    • Nutritional Risk Screenig (NRS 2002)

    • Einsatz: Klinik

      • ESPEN-Empfehlung für Krankenhaus und mit Einschränkung für Pflegeheimbereich

      • Konzeption: nicht primär für Senioren

      • Aufbau aus Vor- (4 Fragen) und Hauptscreening (8 Fragen)

      • gibt Handlungsempfehlungen

  • Assessment

    • Mini Nutritional Assessment (MNA long-form)

    • Einsatz: Klinik/ ambulant (Geriatrie)

      • ESPEN- Empfehlung

      • Langform als Komplettassessment mit 18 Fragen

      • einziges für ältere Menschen validiertes Screening

    • Subjective Global Assessment (SGA)

    • Einsatz: Klinik/ ambulant

      • Konzeption: nicht primär für Senioren

      • Aufbau aus Anamnese (5 Fragen) und zusätzlicher körperlicher Untersuchung

      • Erfahrung und Routine des Untersuchers für korrekte Untersuchung und subjektive Bewertung erforderlich

Nutzen Sie unsere Screening-Tools um das Risiko einer Mangelernährung zu ermitteln

NRS 2002

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Ermitteln Sie das Ernährungsrisiko mithilfe des Nutritional Risk Screenings (2002).

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PEMU-Assessment: Pflegerische Erfassung von Mangelernährung und deren Ursachen

Zum Erkennen von Ernährungsproblemen in der stationären Pflege wurde, federführend von Pflegewissenschaftlern, das Instrument PEMU entwickelt. PEMU ist ein zweiphasiges Erfassungsinstrument der Ernährungssituation bei alten und pflegebedürftigen Menschen (Screening und Assessment) und wurde für die stationäre Langzeit-/Altenpflege entwickelt. Im PEMU-Screening werden mittels vier zu erfassender Parameter ermittelt, ob ein Ernährungsproblem vorliegt:

  • Zeichen von Nahrungs-/Flüssigkeitsmangel (äußerer Eindruck, Gewichtsverlust, BMI)

  • unbeabsichtigter Gewichtsverlust

  • geringe Ess-/Trinkmenge

  • erhöhter Bedarf an Energie und Nährstoffen

Muss eine der Fragen mit einem „Ja“ beantwortet werden, erfolgt im zweiten Schritt ein PEMU-Assessment. Dabei wird ermittelt, was die Ursache für das Ernährungsproblem sein könnte. Das PEMU-Screening und Assessment wird inzwischen häufig in der Praxis angewendet und als praxistauglich eingestuft. Die Bestätigung der Effektivität durch wissenschaftliche Studien ist noch ausständig.

Das PEMU-Screening und Assessment wurde im Expertenstandard „Ernährungsmanagement zur Sicherstellung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege“ des DNQP (Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege) empfohlen.

Screening auf Mangelernährung: Fazit

Trotz der einfachen Anwendung zeigen Studien, dass ein Screening auf Mangelernährung häufig nicht durchgeführt wird. Aus den Ergebnissen der nutritionDay-Studie beispielsweise weiß man, dass in Deutschland nur 29 Prozent der Stationen ein Screening durchführen. Dem gegenüber wird mehr als doppelt so häufig in den skandinavischen Ländern (67 Prozent) oder Großbritannien (über 90 Prozent) gescreent.5

Die genaue Abklärung eines Ernährungsproblems mit einem Screening auf Mangelernährung ist allerdings die Voraussetzung für eine individuelle und gezielte Behandlung. Häufig ist zusätzlich zum Screening auf Mangelernährung eine differenzierte medizinische Diagnostik notwendig, um die Mangelernährung näher zu charakterisieren und mögliche Ursachen festzustellen. Idealerweise erfolgt das Assessment in einem multidisziplinären Ernährungsteam. Alle erfassten Parameter sollten dokumentiert werden und dienen als Grundlage für die Erstellung eines Ernährungsplanes. Idealerweise werden diese Parameter im Zeitverlauf überwacht und bei Bedarf in regelmäßigen Zeitabständen die Ernährungsversorgung angepasst.

Quellen

  1. Löser Ch.; Unter- und Mangelernährung Klinik - moderne Therapiestrategien – Budgetrelevanz; Georg Thieme Verlag KG; 1. Auflage 2011
  2. Tannen A., Schütz T.; Mangelernährung: Problemerkennung und pflegerische Versorgung; W. Kohlhammer GmbH; 1. Edition 2011
  3. Pirlich M et al. (2003) DGEM-Leitlinie Enterale Ernährung: Ernährungsstatus. Aktuel Ernaehr Med 28, Supplement 1: S10–S25
  4. Bauer J, et al.; Diagnostik der Mangelernährung des älteren Menschen. Ergebnisse eines internationalen Experten-Meetings der BANSS-Stiftung. Dtsch Med Wochenschr 2006; 131: 223–227
  5. Küpper C.; Mangelernährung im Alter Teil 1: Definition, Verbreitung und Diagnose; Ernährungs Umschau 2010; 4
  6. Volkert D. et al.: Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) in Zusammenarbeit mit der GESKES, der AKE und der DGG: Klinische Ernährung in der Geriatrie – Teil des laufenden S3-Leitlinienprojekts Klinische Ernährung. Aktuelle Ernährungsmedizin 38, 2013: e1-e48
  7. Valentini L., et. al.; Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) DGEM-Terminologie in der Klinischen Ernährung; Aktuel Ernahrungsmed 2013; 38: 97–111
  8. Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V. Screening auf Mangelernährung - den Ernährungszustand richtig einschätzen; https://www.dgem.de/screening; abgerufen am 03.04.2024
  9. Bartholomeyczik S., Reuther S.; Prävalenz von Mangelernährung in der stationären Altenpflege, Maßnahmen und Qualitätsinstrumente; 2009