Morbus Crohn Therapie
Morbus Crohn ist nach aktuellem Stand nicht vollständig heilbar. Die Therapie verfolgt das Ziel, die Entzündungsaktivität zu kontrollieren, Komplikationen zu vermeiden und die Lebensqualität der Patient:innen langfristig zu verbessern.1
Die Wahl der Therapie erfolgt individuell und berücksichtigt unter anderem Krankheitsaktivität, Befallsmuster, Vorhandensein extraintestinaler Manifestationen, Alter, Komorbiditäten, Ernährungsstatus sowie das Ansprechen auf bisherige Therapien.1
Neben medikamentösen und chirurgischen Maßnahmen spielt auch die Ernährungstherapie eine wichtige Rolle in der Behandlung von Morbus Crohn.1, 3, 5
Aktuelle Leitlinien empfehlen eine individuelle und regelmäßige Anpassung der Therapie an den Krankheitsverlauf sowie die Bedürfnisse der Patient:innen.1, 4
Kurz & knapp
- Die Therapie von Morbus Crohn wird individuell an Krankheitsaktivität, Befallsmuster und Krankheitsverlauf angepasst.1
- Zentrale Therapieziele sind Remissionsinduktion, Remissionserhaltung, die Vermeidung struktureller Schäden und die Verbesserung der Lebensqualität.1, 4
- Je nach klinischer Situation kommen medikamentöse Therapie, Ernährungstherapie und chirurgische Verfahren allein oder in Kombination zum Einsatz.1, 3, 5
- Bei Kindern und Jugendlichen spielen Wachstum, Pubertätsentwicklung und Ernährungsstatus eine besondere Rolle.2
Therapieziele bei Morbus Crohn
Die Therapieziele bei Morbus Crohn haben sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. Neben der Kontrolle akuter Beschwerden stehen heute auch langfristige Ziele im Fokus. Zu den wichtigsten Behandlungszielen gehören:1, 4
- Induktion der Remission
- langfristige Erhaltung der klinischen Remission
- Verbesserung der Lebensqualität
- Vermeidung krankheitsbedingter Komplikationen
- Erhalt der Darmfunktion
- Reduktion entzündlicher Aktivität und Vermeidung struktureller Schäden
Bei Kindern und Jugendlichen kommen weitere Therapieziele hinzu:2, 3
- Unterstützung eines altersgerechten Wachstums
- Förderung einer normalen Pubertätsentwicklung
- Verbesserung des Ernährungsstatus
- Vermeidung langfristiger Entwicklungsbeeinträchtigungen
Therapieoptionen im Überblick
Für die Behandlung von Morbus Crohn stehen verschiedene Therapieoptionen zur Verfügung. Die Auswahl erfolgt individuell und orientiert sich unter anderem an Lokalisation, Schweregrad, Komplikationen und bisherigem Krankheitsverlauf.1
Zu den wichtigsten Therapieformen zählen:
- medikamentöse Therapie1
- Ernährungstherapie1, 3, 5
- chirurgische Therapie1
In vielen Fällen werden mehrere Therapieansätze miteinander kombiniert, um die Krankheitsaktivität langfristig zu kontrollieren, den Ernährungsstatus zu stabilisieren und Komplikationen vorzubeugen.1, 3, 4
| Therapieform | Typischer Einsatz |
|---|---|
| Medikamentöse Therapie | Standard in der Behandlung aktiver und chronischer Verläufe1 |
| Ernährungstherapie | Bei Kindern und Jugendlichen erste Wahl2, ergänzend oder situationsabhängig therapeutisch relevant bei Erwachsenen1, 3, 5 |
| Chirurgische Therapie | bei Komplikationen oder unzureichender Krankheitskontrolle1 |
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Therapie stellt einen zentralen Bestandteil der Behandlung von Morbus Crohn bei Kindern und Erwachsenen dar.1, 2
Die Auswahl der Medikamente richtet sich unter anderem nach Krankheitsaktivität, Lokalisation, Komplikationen sowie individuellen Patientenfaktoren.1
Zur Behandlung von Morbus Crohn können abhängig von der klinischen Situation verschiedene Wirkstoffgruppen eingesetzt werden:1, 2
- Kortikosteroide Immunmodulatoren
- TNF-α-Inhibitoren
- Integrin-Antagonisten
- Interleukin-12/23- beziehungsweise Interleukin-23-Inhibitoren
- Januskinase-Inhibitoren
Die Behandlung erfolgt häufig stufenweise und wird regelmäßig hinsichtlich Wirksamkeit, Verträglichkeit und Therapieziel überprüft.1
Moderne Therapiekonzepte verfolgen zunehmend einen individualisierten Ansatz. Dabei werden klinische Symptome, Entzündungsparameter, endoskopische Befunde sowie patientenbezogene Faktoren gemeinsam berücksichtigt.1, 4
Bei Kindern und Jugendlichen sollten potenzielle Auswirkungen einer Therapie auf Wachstum und Entwicklung besonders beachtet werden.2
Ernährungstherapie als Bestandteil der Behandlung
Die Ernährungstherapie ist ein relevanter Bestandteil des Behandlungskonzepts bei Morbus Crohn.1, 3, 5 Patient:innen mit Morbus Crohn weisen ein erhöhtes Risiko für Mangelernährung, Gewichtsverlust und Mikronährstoffdefizite auf.1, 3 Die Auswahl ernährungstherapeutischer Maßnahmen richtet sich unter anderem nach Alter, Krankheitsaktivität, Ernährungsstatus und Therapieziel.1, 3
Für Kinder und Jugendliche mit luminalem Morbus Crohn empfiehlt die aktuelle ECCO-ESPGHAN-Leitlinie, sowie die aktualisierte Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaften CEDATA und Ernährung/Diätetik/ Ernährungsmedizin der Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE) die exklusive enterale Ernährung (EEN) als bevorzugte Therapie zur Remissionsinduktion.2, 6
Auch in der Erwachsenenversorgung kann die exklusive enterale Ernährungstherapie, abhängig von der klinischen Situation, als ergänzende oder in ausgewählten Fällen als therapeutische Maßnahme berücksichtigt werden.1, 3, 5
Die aktuelle ECCO-Konsensuspublikation zum diätetischen Management bei CED unterstreicht darüber hinaus die zunehmende Bedeutung diätetischer Interventionen ( CDED+PEN ) zur Remissionsinduktion und -erhaltung .5
| Ernährungstherapie | Klinische Einordnung |
|---|---|
| EEN | Erste Wahl bei leichtem bis mittelschwerem luminalem Morbus Crohn bei Kindern und Jugendlichen2,6. Bei Erwachsenen in ausgewählten Situationen relevant, insbesondere bei Mangelernährung, eingeschränkter Nahrungsaufnahme oder präoperativ. |
| PEN | Ergänzende enterale Ernährung. Kann, wenn in höheren Volumina >50% eingesetzt die Krankheitsaktivität verbessern.5 |
| CDED + PEN | Alternativ, wenn EEN nicht möglich oder erwünscht ist, bei ausgewählten Patient:innen.5 |
Wann wird eine Operation erwogen?
Trotz moderner medikamentöser Therapien kann bei einem Teil der Patient:innen eine chirurgische Behandlung erforderlich werden.1
Eine operative Therapie muss insbesondere dann erwogen werden, wenn:1
- komplexe oder symptomatische Fisteln vorliegen, insbesondere bei perianaler Beteiligung oder begleitender Abszessbildung
- symptomatische Stenosen vorliegen
- konservative Maßnahmen keine ausreichende Krankheitskontrolle ermöglichen
- Dysplasien oder neoplastische Veränderungen nachgewiesen werden
Vor geplanten operativen Eingriffen sollte der Ernährungsstatus geprüft und gegebenenfalls behandelt werden, da Mangelernährung mit einem erhöhten Risiko postoperativer Komplikationen assoziiert ist.1, 3
Komplementäre und alternative Verfahren
Neben etablierten Therapieformen werden verschiedene komplementäre oder alternative Behandlungsansätze diskutiert.1
Für komplementäre Verfahren – darunter pflanzliche Präparate, Moxibustion und Probiotika – sowie für mikrobiombasierte Ansätze bei Morbus Crohn gibt es derzeit keine ausreichende Evidenz für eine routinemäßige leitlinienbasierte Anwendung.1, 5
Therapie bei Kindern und Jugendlichen
Die Behandlung von Kindern und Jugendlichen unterscheidet sich in wichtigen Aspekten.2
Neben der Kontrolle der Entzündung müssen berücksichtigt werden:
- Wachstum2
- Pubertätsentwicklung2
- Ernährungsstatus2, 3
Die ECCO-ESPGHAN-Leitlinie, sowie die aktuelle Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaften CEDATA und Ernährung/Diätetik/ Ernährungsmedizin der Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE) empfiehlt die exklusive enterale Ernährung (EEN) als bevorzugte Therapie zur Remissionsinduktion bei luminalem Morbus Crohn.6 Kortikosteroide sollten auf Grund ihres ungünstigen Einflusses auf Wachstum, Knochenstoffwechsel und Nebenwirkungsprofils nur in Ausnahmefällen, wenn EEN nicht möglich ist, zum Einsatz kommen.2, 5, 6
Monitoring und Therapieanpassung
Nach Beginn einer Therapie ist ein regelmäßiges Monitoring erforderlich.1, 3, 4
Dabei werden unter anderem berücksichtigt:
- klinische Symptome
- Laborparameter
- fäkales Calprotectin
- Endoskopie
- Bildgebung
Moderne Therapiestrategien orientieren sich zunehmend an objektiven Entzündungsparametern, um langfristige Schäden zu vermeiden.1, 4 Auch der Ernährungsstatus sollte regelmäßig überprüft werden.1, 3
FAQ - Häufige Fragen zur Morbus-Crohn-Therapie
Remissionsinduktion, Remissionserhaltung, Vermeidung von Komplikationen und Verbesserung der Lebensqualität.1, 4
Medikamentöse Therapie, Ernährungstherapie und chirurgische Verfahren, häufig in Kombination.1, 3, 5
Bei komplexen oder symptomatischen Fisteln, Abszessen, symptomatischen Stenosen oder unzureichender Krankheitskontrolle.1
Ernährung ist ein integraler Bestandteil des Behandlungskonzepts. Sie dient der Sicherstellung der Energie- und Nährstoffversorgung, der Prävention und Behandlung von Mangelernährung und Mikronährstoffdefiziten sowie der Unterstützung des Ernährungsstatus. Je nach Alter, Krankheitsaktivität und klinischer Situation kann Ernährungstherapie zudem gezielt therapeutisch eingesetzt werden, etwa als EEN bei Kindern und Jugendlichen oder als Bestandteil strukturierter Konzepte wie CDED + PEN.1, 3, 5, 6
Bei Kindern und Jugendlichen stehen neben der Entzündungskontrolle vor allem altersgerechtes Wachstum, Pubertätsentwicklung und Ernährungsstatus im Fokus. Die Therapie sollte daher regelmäßig auch anhand anthropometrischer und entwicklungsbezogener Parameter überprüft werden. Bei luminalem Morbus Crohn gilt EEN als bevorzugte Option zur Remissionsinduktion; Kortikosteroide sollten aufgrund ihres Nebenwirkungsprofils möglichst zurückhaltend eingesetzt werden.2, 3, 5, 6
- 1 Sturm A, Atreya R, Bettenworth D, et al. Aktualisierte S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Morbus Crohn“ der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) (Version 4.1) – living guideline. Z Gastroenterol. 2024;62:1229–1318. doi:10.1055/a-2309-6123. Quelle öffnen
- 2 van Rheenen PF, Aloi M, Assa A, et al. The Medical Management of Paediatric Crohn’s Disease: an ECCO-ESPGHAN Guideline Update. J Crohns Colitis. 2021;15(2):171–194. doi:10.1093/ecco-jcc/jjaa161. Quelle öffnen
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- 4 Turner D, Ricciuto A, Lewis A, et al. STRIDE-II: An Update on the Selecting Therapeutic Targets in Inflammatory Bowel Disease Initiative. Gastroenterology. 2021;160(5):1570–1583. doi:10.1053/j.gastro.2020.12.031.
- 5 Svolos V, Gordon H, Halmos E et al. ECCO Guideline/Consensus Paper. Consensus on dietary management of inflammatory bowel disease. J Crohns Colitis. 2025;19(9):jjaf122. doi:10.1093/ecco-jcc/jjaf122. Quelle öffnen
- 6 Alexanidou E et al. Crohnʼs Disease Exclusion Diet (CDED) und partielle enterale Ernährungstherapie (PEN) zur Remissionsinduktion bei Kindern und Jugendlichen mit Morbus Crohn– Aktualisierte Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaften CEDATA und Ernährung/Diätetik/ Ernährungsmedizin der Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE). Z Gastroenterol 2026; 64: 184–198. DOI 10.1055/a-2699-7377.